Schöne Madonnen

 

"Schöne Madonnen am Rhein"

In der Sonderausstellung im Bonner Landesmuseum kommt auch die Schwarze Notmuttergottes aus Luxemburg-Grund zu Ehren

In der Geschichte der Mariendarstellung bilden die Jahrzehnte vor und um 1400 einen Höhepunkt. Dies ist vor allem den Bildhauern zu verdanken. Kaum je zuvor oder danach gelang den Künstlern eine so vollkommene Verbindung von irdischer und überirdischer Schönheit, Ideal und Realität, theologisch gehaltvoller Aussage und menschlicher Nähe.
Die "Schöne Madonnen am Rhein", welche zur Zeit im Rheinischen Landesmuseum in Bonn ausgestellt sind, stammen aus der Zeit, in der das Haus Luxemburg die deutschen Könige stellte. Viele Bildhauer der Madonnen im sogenannten Parler-Stil standen im Dienst der Luxemburger. Die Bildhauer am Rhein, inspiriert von der neuen westlichen sowie böhmischen Hofkunst unter den Königen aus dem Hause Luxemburg, verließen die ausgetretenen Pfade der Bildtradition. Sie schufen Statuen von starker Dynamik und sinnlichem Reiz, die die Betrachter entzückten und bewegten. In einer von Epidemien, Kriegen und Hungersnöten geplagten Zeit eröffnete die Kunst Fluchtwege in ein Reich paradiesischer Schönheit. Kurator Robert Suckale sagt, daß die Schönheit auch als ein theologisches Thema zu verstehen ist.
Die zeitgenössische Frömmigkeit fand damals Ausdruck vor allem in Einzelstatuen der Muttergottes mit dem Kind und den Pietà-Gruppen, also den Bildwerken der Schmerzensmutter Maria unter dem Kreuz, die ihren toten Sohn im Schoß hält.
Die Ausstellung "Schöne Madonen am Rhein" will die bisher nicht genügend gewürdigte und zum Teil falsch eingeordnete Kerngruppe der rheinischen Marienstatuen um 1400 zusammenstellen und zu ihrer Neubewertung beitragen. Die mehr als 60 hochkarätigen Kunstwerke zeigen, wie sich die damaligen politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen des Rheinlandes auch in den Madonnendarstellungen abzeichnen. Neben den kulturellen Errungenschaften des Prager Hofes unter Karl IV. wird ebenso die Rolle der Kurfürsten aus Trier, Mainz und Köln auf die Madonnen-Figuren ins rechte Licht gerückt.
Unter den ausgestellten Statuen werden die Madonna aus Oberwesel, die „Kartäusermadonna“ aus dem Kölner Museum Schnütgen und eine Statue aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza – summa summarum die Kerngruppe der rheinischen Marienstatuen - in einer bisher einzigartigen Dichte und Schönheit präsentiert.
Zahlreiche Neuentdeckungen aus Kirchen und Klöstern von Würzburg bis Köln werden erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. So rückt die Ausstellung die besondere Originalität und Qualität der rheinischen Kunst um 1400 in ein neues Licht.

In der Sonderausstellung in Bonn kommt der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Schwarzen Madonna aus der St. Johannkirche in Luxemburg-Grund eine besondere Stellung zu. Nicht nur im opulent gestalteten Begleitkatalog wird die Parler-Statue als ein Beispiel der rheinischen Madonnen aufgeführt und erklärt – die unter Karl IV. eingeführte Physiognomie des Gesichtes weist klare Parallelen zwischen der Schwarzen Notmuttergottes aus der St. Johannkirche und der um 1380 entstandenen « Madonna in der Sonne » des Museums Schnütgen -, sondern das besonders während der Fastenzeit verehrte Gnadenbild wird musikalisch im LVR-Landesmuseum verklärt.
Am 14. März 2010 interpretieren die Mitglieder der Chorale Ste Cécile Fetschenhof-Cents Lieder zu Ehren der Schwarzen Notmuttergottes in luxemburgischer Sprache. Anlässlich der Sonderschau bietet ViadellArte in Zusammenarbeit mit Historikern aus Luxemburg eine Reise nach Luxemburg an, u.a. zur Schwarzen Madonna, die - anders als für die 1978 im Kölner Museum Schnütgen organisierte Parler-Ausstellung - als Andachtsobjekt im Großherzogtum keine Reise an den Rhein antreten wird.

Bis zum 25. April 2010 im
LVR-Landesmuseum Bonn,
Colmantstraße 14-16,
D-53115 Bonn, Tel. (0049) 228 20700.

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr.
Mittwoch 10-21 Uhr.
Audioguide auch für Kinder.
www.landesmuseum-bonn.lvr.de

+ Photo : Die unter Karl IV. eingeführte Physiognomie des Gesichtes weist klare Parallelen zwischen der Schwarzen Notmuttergottes aus der St. Johannkirche und der um 1380 entstandenen « Madonna in der Sonne » des Museums Schnütgen (Photos : LVR-Landesmuseum Bonn)

 

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